Das ›Spitta-Haus‹

Hist. Foto des Spitta-Hauses, Havelseite
Spitta-Haus Rückseite (Quelle: Martin Braunschweig).

Im Jahr 1852 erwarb die in Brandenburg seit dem 18. Jahrhundert ansässige Gerberfamilie Spitta das Wassertorpalais zusammen mit einem Gelände an der Kommunikation, welches durch die Verlegung einer Schiffswerft frei geworden war.

Die Doppelfunktion des Gebäudeensembles als Wohnhaus und Gerberei machen die zwei historischen Fotos um 1910 anschaulich: Schabracken und Jalousien sind Zeichen für den Wohnkomfort in diesem Bürgerhaus. Dagegen dienten die Lamellen in den Fensteröffnungen des Obergeschosses des Gerberhauses zur Belüftung eines Trockenspeichers. Das Gestänge auf dem Dach zeigt ebenfalls an, dass hier ein Teil der Lederverarbeitung stattfand. Und die vielen adrett weiß gekleideten Hausmädchen haben vermutlich sowohl im Haushalt wie in der Produktion gearbeitet.

Jüngst wurde das alte Kamera-IconWeißgerberbecken im KellerWeissgerberbecken im Keller des Hauses des Hauses entdeckt. Dieses diente zur Verarbeitung von Kleintierfellen bei der Herstellung von Feinleder und ist ein Zeugnis für dieses einst in Brandenburg wichtig Handwerk. Gleichwohl war hier nur der Nebenbetrieb, die eigentliche Fabrik lag direkt am Havelufer, an der Kommunikation.

50 Jahre Spitta und Söhne

Hist. Gruppenfoto der Belegschaft der Firma Spitta und Söhnes
Familie und Mitarbeiter vor dem Panorama der Spitta-Lederwarenfabrik 1902. Fotomontage, "Kombinationsdruck", Atelier Germania, hatte in Brandenburg a. d. Havel, Magdeburger Straße 39, eine Zweigstelle.

Im Jahr 1902 feierte die „August Spitta und Söhne Lederwarenfabrik“ ihr 50jähriges Firmenjubiläum. Das aus diesem Anlass entstandene Gruppenfoto, eine Fotomontage, zeigt die männlichen Spittas – eine Dame ist mit dabei – zusammen mit den Firmenmitarbeitern vor einem Panoramabild. Die imposante Fabrikanlage – fact or fiction – muss man sich auf dem realiter recht schmalen Geländestreifen zwischen Havelufer, Kommunikation und Wassertorstraße vorstellen. Vor dem Fabrikgebäude sind Kamera-IconSchutenSchuten vor dem Fabrikgebäude vertäut, von denen aus Arbeiterinnen die Tierhäute in der Havel waschen. Rechts außen wird das Spitta-Gebäudeensemble durch die zugehörige detailgerecht wiedergegebene Fabrikantenvilla, das Wassertorpalais, vervollständigt. Dort wohnten seit 1852 die beiden Firmengründer, die Brüder Bernhard und Richard Spitta.

An den Gründer des Brandenburger Zweiges der letztlich aus Belgien stammenden Familie Spitta erinnert auf dem Neustädtischen Friedhof das barocke Grabdenkmal für Kamera-IconKarl Wilhelm SpittaBarocke Grabdenkmal auf dem Neustädtischen Friedhof in Brandenburg an der Havel (1695-1771). Dieser war im Jahre 1721 aus Magdeburg zugewandert, hatte in die Brandenburger Bürgerschaft eingeheiratet und aus zwei Ehen neun Kinder, von denen ihn eine Tochter und drei Söhne überlebten. Zu Füßen dieses Grabdenkmals lehnt eine Tafel für Kamera-IconAugust SpittaGrabsteine auf dem Stadtfriedhof Brandenburg an der Havel (1892-1966). Sie erinnert an den „letzten Spross“ aus dieser Spitta-Linie, in dessen Lebenszeit Firma samt Wohnhaus 1945 enteignet wurden. Er arbeitete schließlich als Nachtwächter in seiner ehemaligen Firma. Daneben steht auch der Gedenkstein für seine Frau und seine Tochter, die sich bei Kriegsende ums Leben brachten.

Literatur zum Stichwort ›Spitta‹

Udo Geiseler und Klaus Heß (Hrsg.), Brandenburg an der Havel Lexikon zur Stadtgeschichte, Berlin 2008, S. 341.

Th. Messerschmidt, Die Villa des letzten Lederfabrikanten. Ruinen, Spekulationsobjekte, halbfertige Bauwerke. Die Serie ›Ein paar Reste gefällig?› – heute: Große Heidestraße 1/2 (=Serie: Ruinen-Tour durch Brandenburg), in: Preußenspiegel ?, Ausgabe 13, Sonntag 14. Februar 1999.

img_pathOtto Tschirch: Zwei Jahrhunderte in Brandenburg. Der Werdegang eines Altbrandenburger Geschlechts. Ein Gedenkblatt zur Zweihundertjahrfeier des Hauses Spitta. In: Brandenburger Anzeiger, Sonnabend, den 13. August 1921, Nummer 188, 112. Jahrgang.

Gisela Wall: Kulturhistorisch und stadtgeschichtlich bedeutende Grabdenkmäler und Grabsteine auf dem Neustädtischen Friedhof. In: Historischer Verein Brandenburg (Havel) e.V., 9. Jahresbericht 1999-2000, Brandenburg a.d.H. 2000, S. 70 ff.