1852 - Das ›Spitta-Haus‹

Spitta-Haus, Straßenseite

Hist. Foto des Spitta-Hauses, Strassenseite
Spitta-Haus Vorderseite um etwa 1910 (Quelle: Kohnke/Zahmel, 1992, S. 62).

Spitta-Haus, Havelseite

Hist. Foto des Spitta-Hauses, Havelseite
Spitta-Haus Rückseite (Quelle: Martin Braunschweig).

Im Jahr 1852 erwarb die in Brandenburg seit dem 18. Jahrhundert ansässige Gerberfamilie Spitta das Wassertorpalais zusammen mit einem Gelände an der Kommunikation, welches durch die Verlegung einer Schiffswerft frei geworden war.

Das Wassertorpalais zeugt von Brandenburgs bürgerlicher Wohnkultur vom späten 18. bis zum 19. Jahrhundert. Es ist außerdem ein interessantes Denkmal der Wirtschafts- und Industriegeschichte in der Havelstadt.

Zwei historische Fotos machen die Doppelfunktion des Gebäudeensembles als Wohnhaus und Gerberei anschaulich: Schabracken und Jalousien sind Zeichen für den Wohnkomfort in diesem Bürgerhaus um 1910. Dagegen dienten die Lamellen in den Fensteröffnungen des Obergeschosses des Gerberhauses zur Belüftung eines Trockenspeichers. Das Gestänge auf dem Dach zeigt ebenfalls an, dass hier ein Teil der Lederverarbeitung stattfand. Und die vielen adrett weiß gekleideten Hausmädchen haben vermutlich sowohl im Haushalt wie in der Produktion gearbeitet. Jüngst wurde das alte Kamera-IconWeißgerberbecken im KellerWeissgerberbecken im Keller des Hauses des Hauses entdeckt. Dieses diente zur Verarbeitung von Kleintierfellen bei der Herstellung von Feinleder und ist ein Zeugnis für dieses einst in Brandenburg wichtig Handwerk. Gleichwohl war hier nur der Nebenbetrieb, die eigentliche Fabrik lag direkt am Havelufer an der Kommunikation. Siehe Aufsatz von Th. Messerschmidt auf der folgenden Seite.

Literatur zum Stichwort ›Spitta‹

Udo Geiseler und Klaus Heß (Hrsg.), Brandenburg an der Havel Lexikon zur Stadtgeschichte, Berlin 2008, S. 341.

Th. Messerschmidt, Die Villa des letzten Lederfabrikanten. Ruinen, Spekulationsobjekte, halbfertige Bauwerke. Die Serie ›Ein paar Reste gefällig?› – heute: Große Heidestraße 1/2 (=Serie: Ruinen-Tour durch Brandenburg), in: Preußenspiegel ?, Ausgabe 13, Sonntag 14. Februar 1999.

Otto Tschirch: Zwei Jahrhunderte in Brandenburg. Der Werdegang eines Altbrandenburger Geschlechts. Ein Gedenkblatt zur Zweihundertjahrfeier des Hauses Spitta. In: Brandenburger Anzeiger, Sonnabend, den 13. August 1921, Nummer 188, 112. Jahrgang.

Gisela Wall: Kulturhistorisch und stadtgeschichtlich bedeutende Grabdenkmäler und Grabsteine auf dem Neustädtischen Friedhof. In: Historischer Verein Brandenburg (Havel) e.V., 9. Jahresbericht 1999-2000, Brandenburg a.d.H. 2000, S. 70 ff.